Berührungspunkte in der Gesellschaft gesucht
Bericht in der Giessener Allgemeine am 01.02.2009 von Volker Heller:
Wahrscheinlich wird Gießen niemals der Austragungsort des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT) werden. Ersatzweise war jedoch Pfarrer Joachim Lenz am Samstag in den Hessenhallen. Mit dem neu gewählten DEKT-Kirchentagspastor dieser Großveranstaltung im Zwei-Jahres-Rhythmus (demnächst vom 20. bis 24. Mai 2009 in Bremen) übernahm erstmals ein DEKT-Beauftragter die Schirmherrschaft der Internationalen Promikon Messe, die im gleichen Turnus einlädt - seit 2007 wieder in Gießen.
Der zweite Schirmherr, Gießens Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann, hatte 2007 noch alleine eröffnet. Zur mittlerweile 16. Auflage der christlichen Musik- und Künstlermesse kamen wieder tausende Besucher aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Bereits am Freitagabend hatten Gregor Meyle, Steve Savage und Samuel Harfst in den Messehallen auf das Ereignis musikalisch eingestimmt.
Promikon-Macher Christoph Buskies (Greifenstein) samt Helferstab gelingt bei jeder Neuauflage mehr Professionalität, sodass die überwiegend junge Besucherszene sich einen Tag lang umfassend informieren sowie unterhalten kann. Insbesondere für Hauptamtliche und ehrenamtlich Tätige in den Landeskirchen oder freien kirchlichen Gemeinschaften gibt es die umfangreiche Angebotspalette mit Künstlerständen, Workshops, Seminaren oder Diskussionsrunden. Den Unterhaltungspart besorgen Top-Künstler und Newcomer der verschiedenen Genres auf den Bühnen des Messegeländes.
Als Abschluss und Höhepunkt der Messe werden die Promikon-»Oscars« verliehen. Dieser nach dem biblischen König benannte David Award (stilisierte Figur mit Laute im Goldglanz) wird in sieben Kategorien vergeben und gilt als Auszeichnung der deutschen christlichen Musikszene. Wie bei den großen Galas im weltlichen Milieu üblich, folgt auch die Promikon-Preisverleihung dem bewährten Schema.
Dazu zählen Laudatoren, Musikacts, Videoclips der jeweils Nominierten und die Talkrunden mit dem Moderator. Außerdem wurde die Show als Fernsehgala von [tru:] young television, dem ersten christlichen Jugendfernsehsender Deutschlands, aufgezeichnet. Der Gala folgte noch das Abschlusskonzert mit Judy Bailey und Band sowie Metaphysics und Kosho (beide von den Söhnen Mannheims). Oftmals wurde gerade bei der Fernsehgala deutlich, dass die christliche Musikszene nicht etwa schwerelos im Raum triftet, sondern im gesellschaftlichen Umfeld Berührungspunkte sucht.
Beispielsweise in der Kategorie »Künstlerpersönlichkeit« mit Laudator Andreas Malessa (Fachjournalist für Religion und Kultur) und Preisträger Christoph Zehendner. Der politisch unkorrekte Liedermacher, der laut Malessa zeitlose Wahrheiten und aktuelle Trends zu einem bluesrockigen Popballadensound verbinde, erzählte beim Talk mit Moderatorin Marzia Plichta von Konzertauftritten vor Bundeswehrsoldaten in Kabul/Afghanistan und erinnerte sich an ein unbeschreibliches Elend mit prägenden Erfahrungen. Die beste Website »www.himmelscafe.de« stammt von Erwin P. Hilbert. Der Musiker, Maler, Autor und guter Freund von Udo Lindenberg lobte den Altrock als Persönlichkeit, die viel dazu beigetragen habe, dass er, Hilbert, sein eigenes Ich wiedergefunden hat.
Sarah Brendel, die erste christliche Künstlerin aus Deutschland, die es in die Top 100 der US-Charts schaffte, gelang mit »Early Morning Hours« der Gießener Kategorie Erfolg beim Album des Jahres. Newcomer des Jahres sind die vier Jungs von »Arbaitnehmer« aus der Frankfurter Jugendkirche SubZone. Beim Talk mit Plichta fällt auf, dass die Garderobe von Moderatorin und Newcomer farblich in rot-schwarz harmoniert. Von etwaiger Biederkeit, einem denkbaren Klischee der christlichen Szene, keine Spur.
Matt Redman wurde zum besten internationalen Künstler gewählt. Der allgemein als hilfsbereit und demütig bekannte Musiker tourt gerade in den USA und grüßte das Publikum per Video-Botschaft. Den Gewinner der Kategorie Nationaler Künstler, Andi Weiss, lobte Judy Bailey in ihrer Laudatio als Schnellredner und Mensch mit großem Herzen. Weiss macht die Sendung »Gott sei Dank« beim Wetzlarer Evangeliums Rundfunk (ERF). Den besten Musikclip sahnte »Mek MC« ab, ein Rapper, Songwriter und Producer aus Kärnten/Österreich. Volker Heller






